Genova

„Warum jetzt gerade Genua?“ So reagierten die meisten, wenn ich kurz vor meinem Ausflug mein Reiseziel nannte. Ich weiss es auch nicht, das war so eine Intuition, mehr nicht. Die Lage am Mittelmeer und ihre gute Erreichbarkeit mit der Bahn sind wohl auch ausschlaggebend gewesen. Ich war dann nur drei Tage dort – viel zu kurz, um diese Stadt überhaupt kennenzulernen. Aber ein paar Eindrücke habe ich mitnehmen können.

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Genua – die Heimat des Entdeckers Christoph Kolumbus, hier soll der heilige Gral, der Sacro Catino, in der Kathedrale von San Lorenzo aufbewahrt sein (allerdings gibt es für den ultimativen Gralsort noch mehr als hundert Konkurrenten…), das Pesto alla genovese mit Trofie serviert, das grösste Aquarium Europas, ein Hafenort, der Höhen und Tiefen erlebt hat – all das und noch viel mehr verbindet man mit Genua.

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Persönlich habe ich noch einen anderen Bezug zu dieser Stadt: Als ich 1984 das Album Crêuza de mä von Fabrizio De André hörte, damals noch auf Vinyl gepresst, war das eine Art Offenbarung für mich. Die Musik war so erfrischend anders und neu als all das, was ich mir bisher angehört habe. Die Musik berührte mich sofort, vom Text verstand ich allerdings zunächst gar nichts. Irritiert schaute ich auf das beigelegte Textblatt mit diesem seltsamen genuesischen Dialekt, der scheinbar kaum etwas mit Italienisch zu tun hat. Und so blieb die Scheibe für mich jahrelang auch etwas rätselhaft, geheimnisvoll. Schliesslich gab es damals noch kein Internet, da wo ich heute ganz bequem einen Wikipedia-Eintrag zu diesem Album, und natürlich in Deutsch, finde. De André war einer der ganz grossen italienischen Cantautore, seine Lieder werden heute noch in ganz Italien gesungen, seine Texte sind dort sogar Schulstoff.

Genua gilt als wenig sicherer Ort, ja als Stadt der Ganoven. Übrigens, das Wort Ganove hat keinen gemeinsamen Ursprung mit dem Namen dieser Stadt. Dafür stammt jedoch der Begriff „Jeans“ von Genua ab. Die Baumwollstoffe für diese Beinkleider stammten früher aus Genua und der französische Name „Gênes“ wurde umgangssprachlich zu Jeans… Aber zurück zum Sicherheitsthema: Ich wurde vor der Reise gewarnt, man berichtete über aufgebrochene Autos, etc. Nun, ich hatte im Sinn eine teure Fotoausrüstung mitzuschleppen und machte mir schon etwas Gedanken. Die Situation am Porto Antico, wo mein Hotel lag, gilt als prekär. Dort angekommen, stellte ich fest, dass neben den Einheimischen etwa gleich viel Touristen und nochmals gleich viel Migranten, vor allem aus Schwarzafrika, die Hafenanlage bevölkerten. Ich machte keine negativen Erfahrungen, wohl auch der hohen Polizei- und Security-Präsenz wegen.

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Im Hafen lohnt sich der Besuch des Bigo-Lifts, mit dem man einige Meter hoch gezogen wird und eine tolle Aussicht über den Porto Antico und die Stadt geniessen kann. Beim Fotografieren stören allerdings Reflexionen der Scheiben des Gefährts. Hier ein paar Impressionen aus luftiger Höhe:

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Im Aquarium habe ich dann sage und schreibe vier Stunden verbracht und zwischen all den Touristen fast tausend Fotos von Meeresgetier aufgenommen. Nachdem ich kürzlich noch im Kreuzlinger Seepark Enten-„Mitzieher“ geübt hatte, konnte ich mich jetzt an Quallen, Haifischen, Piranhas und Seelöwen versuchen.

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Dann wartete auch noch eine Überraschung auf mich. Ich hatte erst wenige Tage zuvor von Vivian Maier gehört und stolperte nun im eindrücklichen Palazzo Ducale über eine schöne Ausstellung ihrer Fotokunst. Sie gilt als die Entdeckung der letzten Jahre, ihren Ruhm geniesst sie allerdings nur noch posthum und der Hype um ihr Werk wird teilweise auch kritisch gesehen. Sie hat zwar tausende Bilder gemacht, aber zu Lebzeiten sich nie um eine Veröffentlichung bemüht, ganz im Gegenteil hütete sie die meisten, noch analogen, Schwarzweiss-Bilder nur als Negative. Ein Bild, das ich in dieser Ausstellung machte, lebt von der Spiegelung, was sie ja selbst als Stilmittel häufig benützte.

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Der Palazzo Ducale stösst nun an den Piazza de Ferrari, eines der Zentren der Stadt. Hier muss man fast eine Postkartenaufnahme machen:

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Genua hat viel investiert in die Renovation alter Paläste und ganzer Strassenzüge. Auch der Porto Antico wurde 1992 zum 500-Jahre Jubiläum der Entdeckung Amerikas grundlegend renoviert. Die Stadt hat jedenfalls ihren Charme und vermarktet sich im Tourismus-Geschäft recht gut.

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Zum Schluss noch ein Blick aus der Vorhalle des Opernhauses  Teatro Carlo Felice auf die Garibaldi-Reiterstatue und dann noch ein paar Impressionen aus der Altstadt.

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5 Gedanken zu „Genova

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