Black as coal

Ich vermute, jeder kennt solche Zeiten, wo sie oder er am liebsten alles nur noch schwarz malen würden. Weil es dem stimmungsmässigen Zustand entspricht, zu dem gerade keine Alternative mehr in Sicht ist. Und doch könnte man unter dieser schwarzen Farbe auch das Grün frischer Frühlingspflanzen erahnen. Es ist wie immer fast alles eine Frage der Bewertung oder der Brille, die man sich aufsetzt.

Aber: Schwarz gehört ganz einfach zum Leben. Ich finde, bekämpfen sollte man es nicht, man sollte es vielmehr annehmen und dann diesen Nullpunkt als neuen Startpunkt begreifen. Denn auch Schwarz hat seine eigne Kraft, woraus man Schritt für Schritt neuen Elan schöpfen kann.

Wenn man eigne Ziele nicht mehr erreicht, vielleicht sogar in Serie nicht, dann fängt die Schwarzmalerei an. Im Prinzip ist sie ein prima Signal, das mir sagt: He, hier solltest du schon etwas ändern. Zum Beispiel sich realistischere Ziele zu setzen. Das wäre dann der Sinn einer Depression, wenn man in diesem Zusammenhang überhaupt von Sinn sprechen möchte. Deshalb halte ich den Kontakt zur Farbe Schwarz. Sie ist paradoxerweise ein Kompass im Leben, um den Weg nicht zu verlieren.

Ich bin übrigens zurzeit nicht depressiv und war es auch schon lange nicht mehr. Aber mein Beitragsbild erinnert mich doch an dunklere Zeiten und zugleich gefällt es mir, weil selbst in dieser Dunkelheit immer noch Bewegung, Kraft und sogar etwas Hoffnung sichtbar ist, genau wie in diesem Song, der mich schon ein Leben lang begleitet:

 

6 Gedanken zu „Black as coal

  1. Sehr schöner Text zum Nachdenken. Aber komisch, obwohl ich ja der absolute Farbmensch bin, assoziiere ich mit deinem Bild in keinster Weise eine depressive Stimmung. Ich finde eher, dass es etwas mystisches hat…. Ach ja, und mein liebster Black-Song ist „Back to Black“ von Amy Winehouse!
    LG, Karin

    Gefällt 3 Personen

    1. Vielen Dank für deine Gedanken zu meinem Beitrag!

      Ja, das war wohl irgendwie mein Plan. Wenn Jagger singt: I see a red door and I want it painted black. No colours anymore, I want them to turn black. Dann ist da zunächst auch kein depressives Motiv, er malt nur schwarz, ein typisches Merkmal für z.B. Liebeskummer. Mein Bild habe ich auch in schwarz getaucht, aber die Struktur darunter finde ich durchaus lieblich.

      Dieser Widerspruch, diese veränderte Wahrnehmung ist eben der Knackpunkt. Wenn depressiv verstimmte Menschen das begreifen, dann haben sie prinzipiell auch die Möglichkeit, ihre düstere Sichtweise Schritt für Schritt wieder zu ändern.

      Es ist übrigens ein icm-Foto eines Bärlauch-Teppichs. In grün aber ziemlich banal, in s/w finde ich es viel interessanter, ja vielleicht auch etwas mystisch in der Ausstrahlung.

      Das hat mich dann auf die Idee gebracht, einen kleinen Text zum Thema Schwarzmalen bzw. Schwarzsehen zu schreiben. Allerdings ist es eine Gratwanderung, denn man kann eine schwere Depression nicht auf die leichte Schulter nehmen und sagen: Jetzt mal schnell weg mit der schwarzen Farbe. Aber dass man sich in der Regel selber verrannt hat und etwas ändern muss im Leben, ist wohl wahr. Das wichtigste ist dann, sich erreichbare Ziele zu setzen.
      LG Franz

      Gefällt 1 Person

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