Der Garten als fotografisches Spielfeld

Einen eignen Garten zu haben, bedeutet stets zweierlei: Viel schweisstreibende Arbeit einerseits, von der sich ein Nichtgartenbesitzer kaum eine Vorstellung macht, aber eben auch Entspannung, Ruhe, viele Tiere und Pflanzen zum Beobachten, Staunen und sich Freuen.

Für mich ist der Garten obendrein auch noch ein fast unerschöpfliches fotografisches Experimentierfeld. Nicht wenige hier auf foto-stil.com veröffentlichte Bilder sind im eignen Garten aufgenommen worden. Eigengewächse sozusagen. Einigen sieht man diese Herkunft direkt an, anderen weniger. Je kleiner der Bildausschnitt, je abstrakter die Komposition, umso weniger lassen sich eben Rückschlüsse auf den Tatort ziehen. Es sei denn, ich habe grosszügig Hinweise gestreut, wie in diesem Beitrag.

Perfekt zu diesen Gedanken passt Joachim Schlichtings Beitrag. Die Perlen vor der Haustür zu entdecken, ist nicht nur bequemer, günstiger und meistens risikoärmer verglichen mit (Foto-)Reisen um die ganze Welt. Nein, ich finde es letztlich auch mindestens so bereichernd wie die „Ausbeute“ vieler neuer Eindrücke von ganz anderswo.

Denn diese heimischen Entdeckungen und Experimente schaffen erst ein Gefühl von gerne hier sein, von Daheim sein, was das nimmersatte Fernweh durchaus in Schach zu halten vermag. Bei mir ist das jedenfalls so; ich weiss, bei andern funktioniert das kaum. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass ich kein „Suchender“ mehr bin. Für mich ist klar, den Gral oder Ähnliches gibt es nirgendwo zu finden, weil alles Reale schon hier ist. Manche suchen ja gar nicht bewusst, sie werden vielmehr herumgejagt vom zehrenden Fernweh beziehungsweise von unbewusster Suche. Denn irgendwo weit weg wartet vielleicht das Glück, der Traumprinz, Gott…

Nichts gegen Reisen und schon gar nichts gegen Reisefotografie. Ich schaue mir sehr gerne an, was Fotografen aus und in aller Welt vor die Linse bekommen. Auch ich mache gerne kleinere und halbgrosse Reisen, wie jene nach Genua letztes Jahr. Aber aus Sicht jener, die stets auf Achse sind, kann ich wohl nur als hoffnungsloser Stubenhocker gelten. Umso mehr geniesse ich den spielerischen „Freigang“ in den eigenen Garten und fühle mich dort genauso frei wie am anderen Ende der Welt – es sei denn, die Gartenarbeit rufe unüberhörbar.

Hier die Ausbeute (inklusive Froschkönig) meines gestrigen Gartenstreifzugs unter dem Motto Regenbogenfarben ohne Regen. Zum Vergrössern, wie immer die Bilder einfach küssen anklicken:

 

13 Gedanken zu „Der Garten als fotografisches Spielfeld

  1. „Der Mensch bereist die Welt auf der Suche nach dem,was ihm fehlt. Und er kehrt nach Hause zurück, um es zu finden.“ (George Moore)
    Das Zitat hängt an meinem Schreibtisch und je älter ich werde, desto mehr pflichte ich ihm bei!
    Ich stimme Deinen Worten – auch als Gartenbesitzerin – vollends zu, möchte aber eines ergänzen: Bewusstes Reisen sensibilisiert ungemein für die globalen Zusammenhänge unserer Ökosysteme und lässt über den Tellerrand blicken. Denn ich bin auch Erdenbürgerin und trage Verantwortung. Zwar sollte jeder erstmal vor seiner Haustür kehren (dann wird die Straße definitiv sauber…), aber die extreme Form der Lokalpatrioten tut dem Gemeinsinn „unser Planet Erde“ nicht immer gut.
    Und ich liebe diese Regenbogenfarben… 😀

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    1. Danke für diesen interessanten Beitrag. Ich stimme dir auch 100% zu. Deine Ergänzung fängt ja mit „Bewusstes Reisen“ an und genau das ist der Punkt. Ohne mich irgendwie als Moralapostel aufspielen zu wollen: Leider lässt der heutige Massentourismus genau das kaum mehr zu. Die Gier nach Profit macht aus dem Fernweh der Menschen eher ein Zerstörungsprogramm. Sinnbildlich dafür sind z.B. die Kreuzfahrtkolosse, die täglich durch die Kanäle Venedigs pflügen. Bewusstes Reisen hingegen setzt die Verantwortung, die wir eigentlich alle tragen sollten, schon voraus. Dann können solche Reisen auch ein Gewinn sein, für den Reisenden und für die besuchte Region, für die Menschen und die Natur. Und ja, mein Beitrag mag etwas lokalpatriotisch daherkommen. Das war zwar so überhaupt nicht gemeint. Aber Texte wirken auch durch Mitgemeintes oder scheinbar Mitgemeintes. Ich sehe das eher unverkrampft. Begegnet unsereiner einem Italiener, der „Viva L’Italia“ schmettert, so haben wir damit kaum ein Problem. Die deutschsprachige Kultur hat aber m.M.n. noch ein Problem mit sich selbst. Wie gerne machen wir uns über unsere Lokalkultur lustig, finden dieses und jenes spiessig, in der Schweiz sagt man dazu „bünzlig“. Hier schlägt die Stunde der selbstgerechten Moralapostel, die sich auch gerne gegenseitig niedermachen. Das spricht nicht wirklich für eine gelungene Aufarbeitung des Schrecklichen, was vor mehr als 70 Jahren geschehen ist (Vielleicht ist das jetzt zu weit hergeholt; mir scheint das aber doch der Fall zu sein). Doch auf jeden Fall lehne ich jede „extreme Form“ des Lokalpatriotismus ab. Denn die Verantwortung, die wir tragen (sollten), ja die ist wirklich global.
      LG Franz

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      1. Hallo Franz, Deine Ansicht vertrete ich auch. Mit seiner Scholle verbunden zu sein ist wichtig. Nur wenn das ins Extreme umschlägt, welches das andere und Fremde ausschließt, wird es kritisch. Wie immer: De gesunde Ballance macht es. Und Deine Worte waren für mich nicht extrem lokalpatriotisch, sondern zeigen eben Deine Zufriedenheit mit Deiner Heimat. Das ist doch ein hohes Gut! Eine schöne Woche!

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