Mami, Papi, Auto

Das erste Wort, was ein Kind lernt, nebst Mami und Papi, manchmal sogar noch deutlich vor diesen, ist – Auto. Wunderbar der Klang dieses magischen Worts, sowieso die Funktion, auf Rädern mühelos wie von Zauberhand dahinzugleiten! Vor allem Jungs widmen diesem Ding von den ersten Lebensmonaten an – zunächst nur in der süssen Form von Spielzeug – ihre vollste Aufmerksamkeit. Tja, wie könnte ich da dieses entscheidende Thema links liegen lassen?

Okay, für mich jetzt, also rein persönlich, haben Autos natürlich nicht (mehr) diese Faszination, sonst gäbe es auf foto-stil.com ja schon eine Menge autophile (hm, das trifft es ja nicht, oder vielleicht doch?) Fotos. Im Gegenteil: Ich sage jeweils, wenn meine Gesprächspartner sich wieder einmal vor lauter Begeisterung über dieses oder jenes neue oder ältere Automodell überschlagen: Für mich hat ein Auto einfach nur die Funktion mich von A nach B zu bringen. Es fasziniert mich also etwa gleichermassen wie ein Bügeleisen, das ja auch vor allem eine nützliche Funktion hat.

Damit oute ich mich dann zuverlässig als Auto-Ästhetik-Totalbanause. Doch damit kann ich bis jetzt gut leben. Es gäbe diesen Beitrag auch gar nicht, wäre nicht einer meiner Fotokollegen ein wahrer Technik- und Verkehrstechnikfreak. Dank seiner unnachgiebigen Initiative habe ich schon Flugzeuge, marode Flugzeuge, Schiffe, marode Schiffe, Autos und marode Autos fotografiert. Nur bei den maroden Zügen habe ich bisher erfolgreich gestreikt. Obwohl ich ja viel öfter mit dem Zug unterwegs bin als mit anderen Verkehrsmitteln und funktionierende Züge übrigens auch ganz gerne fotografiere… Aber zurück zum Thema.

Ich definiere zwar meine fotografische Arbeit nicht wirklich über Themen oder Genres. Aber würde ich das tun, so würde ich wohl sagen, ich mache vor allem Landschafts- und Naturbilder und noch ein bisschen Architektur und eine Prise Streetlife. Aber echt keine Autos.

Nun kommt schicksalhaft der Punkt, wo meine Rede immer weniger Sinn zu machen scheint. In solchen – leider nicht seltenen Situationen – kommt mir regelmässig eine Aussage meiner früheren Chefin A. in den Sinn. Sie sagte bei Gelegenheit einer Fallbesprechung sehr direkt, ich solle nicht so „defensiv“ argumentieren. Das sass. Nie hätte ich selbst in dem beanstandeten Text überhaupt so etwas wie „Defensives“ festgestellt. Denn ich war wohl bisher blind für meine „Defensive“. Ich dachte eigentlich eher, ich sei im Allgemeinen ziemlich „offensiv“… Nun, von da an lernte ich, welche Vorwärts- und auf Vorrat-Verteidigung ich häufig anzuwenden im Begriff war, wenn ich oder mein Unterbewusstes dies gerade für nötig hielt.

Falls mir jetzt noch jemand folgen kann: Ich denke, die Figur des Dr. House hat leider Recht, wenn er mindestens in jeder dritten Folge doziert, der Mensch ändere sich grundsätzlich nie. Deshalb bleibt es wohl so: „Auto“ ist irgendwie schwierig für mich. Da muss die Defensive ans Werk. Selbst wenn sie rumstümpert, wie in diesen Zeilen ja sehr schön nachweisbar.

Die Alternativen wären: gar keine Autobilder oder dann Autobilder mit einem Text, der mir nicht entspräche.

Und so geschieht es tatsächlich, dass hier einige Versuche zu sehen sind, der Auto-Knipserei doch etwas abzugewinnen, das (vorsichtig) über das Bügeleisen Dokumentieren hinauslugen könnte.

Die Aufnahmen entstanden im Frühjahr 2018 im MAC-Museum in Singen.

(Wie immer, zur grösseren Ansicht bitte auf eines der Bilder klicken)

14 Gedanken zu „Mami, Papi, Auto

  1. Dass es sich für den einen oder anderen bei der Wahl seines Fahrzeugs um einen Ausdruck des erwünschten und häufig sexualisiert-symbolischen Selbstbildes geht, ist ein offenes, wenn auch oft geleugnetes Geheimnis, aber was für eine fantastische Selbstironie, wenn jemand ein Auto mit den Motiven eines Befruchtungsaktes lackieren lässt – das ist wieder grosses Kino, wie deine Fotos, die es so gelungen zeigen.
    Interessanter Weise fahren im Traum auch Nichtautofahrer, als würde das lateinische Wort für „Selbst“ im Traum auch den Nichtlateinern geläufig sein.
    Warum sollen Autos nicht auch für Nichtautoliebhaber ein paar Augenblicke wert sein? Das geht mir nicht anders.

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    1. Danke, gut analysiert! Allerdings gibt’s viele Leute, die solch „grosses Kino“ bierernst nehmen… Was auch wieder amüsant ist. Für einen eher ironischen Blick auf das Geschehen war der Besuch dieses Museums dann schon ergiebig.
      LG Franz

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  2. Autos haben schon immer eine gewisse Art von Faszination bei mir ausgelöst. Alles bewegt sich aber in einem vernüftigen Rahmen. Ich bin jetzt nicht derjenige der sich ein Auto kauft was er sich eigentlich gar nicht leisten kann und da kenn ich eine Menge Leute. Ist ja heute auch kein Problem bei Leasing oder Finanzierung. Ich behaupte dass mind. die Hälfte aller Fahrzeuge auf Deutschland Strassen finanziert sind auf unterschiedlichster Weise. Also Geld gebe ich im Prinzig nicht dafür aus und da stimme ich dir in dem Punkt Fortbewegungsmittel zu.
    Trotzdem schaue ich mir gerne Autofotos an und einen Traum habe ich natürlich auch was mein Lieblingsauto betrifft.
    Super gelungen finde ich deine Innenaufnahme von einem Rennsportfahrzeug !!!

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    1. Oldtimer sind schon eher gefällig, so seh ich das auch. Und wenn ihre Form noch an Kutschen erinnert, dann hat das auch was Rührendes. Man wird sich bei ihrem Anblick dieser rasanten Entwicklung bewusst: vom einfachen Karren mit Zugpferd bis zum selbstfahrenden Auto… Die technische Entwicklung kann man wohl nicht aufhalten und nicht alles daran ist einem so ganz geheuer…
      LG Franz

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