Jahresrückspiegel

Einmal inne halten und in den Rückspiegel schauen – dazu ist die Zeit „zwischen den Jahren“ wie geschaffen. Eigentlich blicke ich lieber nach vorne, aber manchmal ist es auch gut, die Dinge Revue passieren zu lassen, wie man so schön sagt. Das kann helfen, um festzustellen, ob der eimal eingeschlagene Weg noch der richtige ist, ob man für die Zukunft etwas ändern sollte oder nicht.

Blog

Das Bloggen fühlt sich nun im zweiten Jahr von foto-stil.com nicht mehr wirklich neu an. Doch weiss ich immer noch nicht, ob mir diese Form der Kommunikation überhaupt liegt. Ich finde in den Tiefen des Internets viele Blogs, die klare Konturen haben, die einem unmittelbar verständlichen Konzept folgen und das dann auch meist überaus gradlinig. Solche, die, wenn sie denn mehrgleisig fahren, immer mit „Ansagen“ (Rubriken) glänzen.

Bei mir hingegen ist eher das Chaosprinzip angesagt. Spontane Beiträge, die keinem Plan gehorchen. Mal ist es eine simple Werbebotschaft für meine Bilder, die ich so gerne unter die Leute bringe, mal ist es irgendeine Geschichte, vielleicht eine kleine Reiseanekdote, mal nur ein paar Stimmungs- oder Meditationsbilder, mal ein etwas verrückter Ausflug in irgendein Feld der grauen Theorien, dann manchmal auch etwas polemisch, mal sind es ganz einfach Blümchen aus dem Garten, etc…

Wenn ich also meine inzwischen angehäuften Blogbeiträge überblicke und tatsächlich etwas Positives dazu sagen müsste, dann wohl, dass es sicher oft ein wenig überraschend sein dürfte, was ich denn jetzt als nächstes publiziere. Diesen kleinen Überraschungseffekt mag vielleicht die eine oder der andere, wer weiss.

Begonnen habe ich foto-stil.com im April 2017 als Portfolio, um meine Bilder im Internet öffentlich zugänglich zu machen. Das war der Plan. Ein Blog entwickelte sich parallel dazu dann eher zufällig, als ich entdeckte, dass ich für mein Portfolio ein Blogformat gewählt hatte. Mein Blog wuchs sodann langsam aber stetig über all die Monate. Immer mehr Besucher, immer mehr Likes, immer mehr Kommentare. Bis diesen Sommer. Die Statistik sagt mir, dass mit Juli, August 2018 eine Stagnation begann und ab Herbst gingen die Zahlen sogar ein bisschen runter.

Warum das? Die einfachste Antwort wäre jetzt nach dem bisher Festgestellten, dass so ein konzeptloser Chaosblog eben auf Dauer nicht so gut ankommt. Das mag sein. Ich denke, es gibt wohl noch andere Gründe. Einer davon: Ab Sommer 2018 habe ich meine Blogaktivitäten, die mir einfach zu viel Zeit frassen, ein wenig reduziert. Und dazu gehört auch, dass ich nicht mehr ganz so häufig andere Blogs besucht habe wie zuvor. Die Blogbeziehungen sind jedoch ziemlich streng reziprok: Besuche ich dich weniger, besuchst auch du mich weniger. Das ist ganz einfache Markt-Psychologie.

Was mich auch noch etwas beschäftigt, ist die Tatsache, dass Blogs meist völlig isolierte Inseln sind, die nur ganz selten von eher zufällig Vorbeifahrenden mal angesteuert werden. Milliarden nutzen das Internet, Millionen haben eigene Internetseiten und Blogs, aber über Jahre hast du laut Statistik immer nur dieselben paar Besucher – und die wenigen Ausnahmen bestätigen diese Regel. Beim einen sind es nur gerade zwei, drei Dutzend, bei andern vielleicht zwei, drei hundert, wenn’s ganz hoch kommt ein paar tausend, doch mit diesen höheren Zahlen wird Bloggen definitiv so etwas wie ein Job. Je mehr Besucher, umso grösser wird – um bei dem Bild zu bleiben – deine Insel und sie wird damit eher auch etwas häufiger mal „zufällig“ gefunden.

Seit kurzem, seit November 2018, habe ich mir einen Instagram-Account zugelegt. Der Unterschied in der Reichweite verglichen mit meinem Blog ist absolut verblüffend! In wenigen Wochen schon hatte ich doppelt so viele Follower auf Instagram wie auf dem Blog nach mehr als eineinhalb Jahren; einzelne Instagram-Beiträge erreichten ohne grössere Mühe das Dreifache an Likes verglichen mit den populärsten im Blog, den ich mit vergleichsweise viel Arbeit über viele Monate hochgepäppelt habe. Einzig die Kommentare sind bisher dürftiger, inhaltlich wie auch von der Anzahl her. Aber das ist Programm: Instagram ist eben nur Kurzfutter, das „antriggern“ soll. Ein Instagram-Account kann zwar auch nur eine Insel sein, aber wenn man ihn richtig nutzt, kann er auch ein über alle Meere verzweigtes Netzwerk von Leuchtbojen bilden. Letzteres verdankt man den Hashtags, die dem Instagrammer weithin sichtbare Wegweiser auf die eigene Bühne bescheren. Nutzt man diese Bühne richtig, so wird der angestrebte Erfolg, naja, zumindest wahrscheinlicher.

Nun. Wie weiter? Blog beenden, nur noch auf Instagram aktiv sein? Das kommt für mich nicht in Frage. Die Seite foto-stil.com und der gleichnamige Blog mögen zwar ein wenig erfolgsorientiert sein, aber ich mache diese Dinge eben doch auch für mich selbst, weil es mir selber entspricht, weil es mir auch Freude macht, dies oder jenes so darzustellen. Und da ist es dann zweitrangig, dass die Statistik nicht immer steil nach oben zeigt. So habe ich die Absicht, weiterhin ab und an Blogbeiträge zu bringen, die mir selber am Herzen liegen, auch wenn sie keinem vernünftigen Themen-Plan folgen.

(Update 06.02.2019: So schnell kann sich alles ändern… Seit Ende Januar habe ich mich doch entschlossen, mit dem eigentlichen Bloggen aufzuhören. Grund dafür sind meine schon länger bestehenden Zweifel am Sinn der Sache sowie einzelne negative Rückmeldungen, die mir zeigten, dass die Richtung zuletzt nicht mehr stimmte. Von nun an werden bis auf weiteres an gleicher Stelle sporadisch „news“ zu meiner Arbeit veröffentlicht.)

Ausstellungen

2017 hatte ich meine allererste Ausstellung in Weinfelden. Im Restaurant Frohsinn hingen mehr als 50 meiner Bilder, beinahe alle für diesen Zweck erstmalig ausgedruckt, und ich konnte mit dem Erfolg dieses Abenteuers doch sehr zufrieden sein.

Doch wie würde es danach weiter gehen? Eine Ausstellung zu realisieren, ist schon schwer genug. Aber dann, einen gangbaren Weg als „Künstler“ zu finden, der doch eben erst aus dem Ei geschlüpft ist, das ist eine grössere Herausforderung. Erste Anfragen meinerseits für weitere Ausstellungen verliefen auch prompt negativ. So galt es zunächst kleinere Brötchen zu backen.

  • Das Jahr 2018 begann also für mich mit der Teilnahme am Kunstnachtflohmarkt im Januar in Frauenfeld.
  • Dann hatte ich einen Stand an der kleinen Kunstmesse Art-Thur im Juni ebenfalls in Frauenfeld.
  • Mit dem Stand am Zofinger Kunstmarkt im August schien mir nun definitiv eine Karriere als Marktfahrer zu blühen.
  • Doch dort kam das überraschende Angebot für meine Zweite Ausstellung, ebenfalls in Zofingen im November und nun zum ersten Mal in einer Galerie.
  • Den Schluss meiner Ausstellungsaktivitäten in diesem Jahr bildete dieser kleine Stand am Adventsmarkt in Weinfelden:
IMG_3263
FMR at Adventsmarkt, 08./09.12.2018, Weinfelden

Ich war bemüht, all diese Aktivitäten finanziell einigermassen ausgeglichen zu gestalten. Das gelingt immer besser, je mehr man eben schon ein Archiv mit zeigenswerten Prints hat (Diese kosten ja bekanntlich etwas). Dennoch bleiben die Kosten insgesamt hoch (neben Druckkosten auch Automiete, Standmiete, hohe Unkostenbeiträge, Provisionen, etc.) und unterm Strich kann ich nicht wie Wolfgang Schäuble schon seit Jahren mit einer schwarzen Null oder noch Schön-Schwärzerem glänzen. Ich hab die Rechnung zwar noch nicht im Detail gemacht, aber dass die Null ein wenig rot wird, zeichnet sich schon ab… Immerhin schreibe ich keine grösseren Verluste, das war und ist mir stets wichtig.

Eine fast ausgeglichene Rechnung habe ich durch erfreulich viele Verkäufe erreicht. Deshalb hier eine kleine „Best of“–Parade; alles Bilder, die ich bisher mindestens zwei Mal als Wandbilder verkaufen konnte („At Milan station“ ist übrigens Teil einer gleichnamigen Serie von 20 ähnlichen Bildern, von denen ich knapp die Hälfte zwei Mal verkaufen konnte):

(Zum Vergrössern, Bilder einfach anklicken)

2019 möchte ich wieder Ausstellungen realisieren. Zwei grössere Projekte sind bereits in der Pipeline, was mich wirklich sehr freut. Sobald es dazu Handfestes gibt – foto-stil.com ist der richtige Ort, um es zu erfahren.

Privates

Ein Blog ist der Ort, wo man sein Innerstes vollkommen nach Aussen stülpen kann – oder vielmehr könnte. Es gibt eine Menge Blogs, die genau davon leben. Noch mehr Blogs aber behandeln Privates eher selektiv. Als Leser bekommt man „intime“ Einblicke, die eher nicht wirklich sooo ganz intim sind, wie sie „angepriesen“ werden. Jeder Blogger hat diesbezüglich eine andere (Schmerz-)Grenze, die sie oder er zieht. Und auch andere Bedürfnisse, Privates zur Diskussion zu stellen. Ich habe bisher wenig wirklich Persönliches preisgegeben, so denke ich jedenfalls. Schon Dinge, die mir am Herzen liegen oder „Ereignisse“, die ich spannend finde. Aber ich glaube, es ist kaum möglich, sich auf Grund dieses Blogs ein realistisches Bild meines Innenlebens zu malen.

Für mich ist klar: Falls ich meine Befindlichkeit schriftlich reflektieren möchte, so müsste ich auf das gute alte Tagebuch zurückgreifen. Ich sehe für mich keinen möglichen Gewinn, diese Art von Selbstbetrachtungen zu veröffentlichen. So wird es wohl auch in Zukunft diesbezüglich eher bei vagen Andeutungen bleiben. Andeutungen wohl auch mehr in Form von Bildern, die Stimmungen gut zu transportieren vermögen.

Ach, wenigstens einen Besuch im Sauerland (NRW) Ende November will ich unter „Privates“ erwähnen: Ein Onkel feierte seinen achtzigsten Geburtstag und das war ein schöner Anlass, nach Jahrzehnten endlich wieder einmal die Heimat meiner Mutter, mit ihr zusammen übrigens, zu besuchen. Der Ort des Geschehens nennt sich Westheim, heute ein Ortsteil von Marsberg, und liegt irgendwo „in the middle of nowhere“. Auf einem Spaziergang dort sind diese Bilder entstanden:

(Zum Vergrössern, Bilder einfach anklicken)

Und nun wünsche ich allen Besuchern meines Blogs einen guten Rutsch, viel Glück und Erfolg im 2019.

18 Gedanken zu „Jahresrückspiegel

    1. Ich war nur kurz übers Wochenende dort. Mit mehr Zeit im Rucksack wäre ich gerne mal auf ein Käffchen bei dir vorbeigekommen, falls erwünscht.

      Instagram ist ein Versuch wert. Man „trifft“ dort viele neue Leute, wenn man mag.

      Schöne Grüsse, Franz

      Gefällt 1 Person

  1. die Blogerei ist nur eine Möglichkeit die Fotos ein wenig unter die Leute zu bringen. Ich kann deine Meinung zu dem Thema ganz gut verstehen. Ich komme im Januar ins 3. Jahr und habe seit geraumer Zeit festgestellt,dass irgendwie Stillstand bei mir eingetreten ist. Die Zahlen sind zwar nicht rückläufig aber auch nicht tendenziell steigend. Es wird auch immer schwieriger neue Follower zu bekommen. Im Schnitt pro Beitrag ca. 35 -40 Kommentare und ca. 40 Likes. Mehr geht nicht mehr !! Was mich eher stört ist die Tatsache dass einige Likes abgeben ohne den Beitrag überhaupt angeschaut zu haben. Das merkt man mit der Zeit ! Hauptsache ich Like in der Hoffnung selbst einen zu bekommen. Kritik habe ich noch nie erhalten und das stört mich eigentlich auch. Es kann nicht jedes Foto nur toll sein. Also wieder ein Zeichen dass es mit dem anschauen nicht so ernst genommen wird. Ich denke das ist bei anderen Möglichkeiten (Instagram) nicht viel anders.
    Dies ist meine Meinung dazu !!!! Manni

    Gefällt 1 Person

    1. Danke Manni für dieses offene Feedback. Leider ist es so, dass einige Besucher sich bezüglich Likes so verhalten. Natürlich macht das die ganze Bloggerei noch fragwürdiger. Man muss wirklich einfach auch selbst Spass dran haben, sonst wird man enttäuscht. Um so schöner ist es, wenn man dennoch mit einigen Bloggern ins Gespräch kommt. Mit der Kritik ist das so eine Sache. Ich glaube, ich habe erst dreimal etwas Kritisches als Rückmeldung bekommen. Zweimal war’s bei Licht betrachtet, keine aufbauende Kritik, sondern einfach Ablehnung, als Kritik getarnt. Selber tue ich mich auch wirklich schwer, Blogkollegen zu kritisieren. Im Zweifel lasse ich’s lieber sein, also kommt höchst selten vor.
      LG Franz

      Gefällt 1 Person

  2. Hallo Franz,
    erstmal wünsche ich dir einen guten Start ins neue Jahr, auf das du es gesund und in guter Stimmung erleben wirst. Zu deinen Anmerkungen : ich finde das hier gar nicht so chaotisch sondern interessant, also bitte weitermachen ! Und bei Instagram habe ich mich genau andersrum entschieden und meinen Account dort ruhen lassen, es gab zwar mehr likes aber was nützen mit vollbusige ukrainische Schönheiten und reiche Russen vor ihrem Lamborghini…mal etwas polemisch ausgedrückt 🙂 Aber das ist nur meine Entscheidung und ich will davon niemand überzeugen ! Lieber Gruss, Jürgen

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank für die guten Wünsche und das Feedback! Auch dir wünsche ich viel Glück und Zufriedenheit im neuen Jahr, ja und natürlich gute Gesundheit, schliesslich das wichtigste! Was Instagram betrifft, da sind erst ein paar Wochen rum, seit ich dort meine Zelte aufgeschlagen habe. Ob ich dort bleibe, wird sich erst zeigen. Aber nebst den Reichen und Schönen gibt’s dort eine sehr grosse Fotografengemeinde, nicht zu vergessen die vielen Maler und sonstigen Kunstfreunde. Ein paar wenige haben sogar schon den Weg zu meiner Homepage gefunden und Angebote für Online-Publikationen habe ich auch schon bekommen. Wobei ich da allerdings zurückhaltend bin, solange es nach Abzocke aussieht. Ich werd’s sehen, ob die Instagrampräsenz auf Dauer den Aufwand wert ist. Ich kann aber auch gut nachvollziehen, wenn man auf diese schon beinahe hektische Social Media Geschichte ganz verzichtet.
      Schöne Grüsse, Franz

      Gefällt 1 Person

Kommentare sind geschlossen.