Die Sache mit dem Kaffee und der Evolution…

Irgendwie dachte ich vor ein paar Tagen plötzlich: mach einen Beitrag über Kaffee! Das war eine ganz spontane Idee. Meistens geht das ja noch gut mit meinen spontanen Einfällen… Die Bilder jedenfalls waren schnell gemacht. Aber dann. Was wollte ich eigentlich dazu sagen? Braucht man Kaffee irgendwie irgendjemandem vorstellen, erklären, anpreisen oder gar warnen davor? Kaffee ist das meist konsumierte Getränk in Europa. Also wissen doch alle genau Bescheid. Wie der schmeckt, wie der wirkt – überhaupt, warum man das Zeug so gerne hat. Eine persönliche Anekdote müsste jetzt her, um die Sache erst interessant zu machen.

Aber die liess auf sich warten. Das war’s also. Bilder ins Archiv, Beitrag gestrichen? Was ist eigentlich das Problem? Jedem fällt doch irgendeine mehr oder weniger amüsante Anekdote zu Kaffee ein, warum jetzt mir gerade nicht? Nun, mir kommt wohl mein früherer Beruf in die Quere. Wenn ich an Kaffee denke, dann lande ich unweigerlich bei solcher Fachliteratur, die ich jetzt schon stundenlang gewälzt habe:

In therapeutischen Konzentrationen, die beim täglichen Kaffee– bzw. Teekonsum anfallen, werden vor allem die Adenosinrezeptoren blockiert (Fredholm et al., 1999). Hierbei antagonisiert Koffein den endogenen Liganden Adenosin bereits ab Konzentrationen von 10 bis 100 μM. Dadurch werden auf molekularer Ebene zahlreiche Transmitter, wie z.B. Serotonin, Dopamin und Noradrenalin verstärkt gebildet (Bickford et al., 1985; Daly et al., 1993). In diesem Zusammenhang wird die neuroprotektive Wirkung des Koffeins diskutiert (vgl. 1.3.4).

Und zu allem Elend stolpere ich dann über diesen Satz:

Methylxanthine werden von den Pflanzen als Fraßschutz vor Insekten gebildet.

Ähnliches kann man immer wieder lesen. Pflanzen und Tiere erfinden anscheinend allerlei tolle Waffen, um ihre Fressfeinde abzuwehren. Ich weiss, die meisten Autoren kürzen mit solchen Aussagen einfach nur ab, aber sie ignorieren so den wirklichen Mechanismus der Selektion, der nur über grosse Zeiträume funktioniert. Und wenn man das immer wieder tut, dann versteht man irgendwann die Evolutionstheorie nicht mehr.

In diesem Fall ist es doch so: Pflanzen bilden keine Moleküle, um sich vor gefrässigen Insekten zu schützen, sondern im Laufe der Evolution haben sich jene Pflanzen durchgesetzt, die diesen Stoff zufällig (die Evolution experimentiert eben in alle Richtungen, aber blind) in einer wirksamen Dosis gebildet haben. Warum? Weil sie weniger gefressen wurden und sich somit besser fortpflanzen konnten als jene, die keine oder weniger Methylxanthine gebildet haben. Wie man das jetzt in einem Satz sagen könnte, keine Ahnung, vielleicht einfach so:

Methylxanthine wirken bei Pflanzen als Fraßschutz vor Insekten.

Man könnte aber doch fantasievoller und näher beim Original bleiben wollen und sagen:

Wir trinken heute alle feinen Kaffee, weil die Pflanzen damit Insekten vertreiben.

Also…, man sieht schon, mein Blogger-Jahr fängt wirklich ganz toll an. Aber falls jemand eine schöne Geschichte rund um den Kaffee erzählen mag – bitte gerne unten in diese Kommentarspalten tippen.

Bleibt noch das Zitat:

Ein guter Kaffee muss schwarz wie die Nacht, heiß wie die Liebe und so süß oder bitter wie das Leben sein.

 

 

15 Gedanken zu „Die Sache mit dem Kaffee und der Evolution…

  1. Mit dem Kaffee verhält es sich wie mit dem Alkohol: es gibt schöne literarische Zitate dazu und bedenkliche Sachtexte, die daran erinnern, dass giftig ist, was da konsumiert wird. Wenn man schöne Bilder dazu bekommt, ist das wie Zucker im Kaffee.

    Gefällt 2 Personen

    1. Wäre Kaffee ein Medikament, so wäre es natürlich rezeptpflichtig, vergleichbar (auch in der Wirkung) dem Ritalin. Aber solche frei auf dem Markt erhältlichen Dinge wie Nikotin, Koffein und Alkohol fordern unsere Verantwortung und Selbstkontrolle.
      LG Franz

      Gefällt 1 Person

  2. Ich bin 2 Deutsche (was den Kaffee verbrauch anbetrifft ) und ein Italiener (was die Stärke betrifft , kein Kaffee, lieber Expresso bis 15.00, danach Cappuccino ) und ein Pragmatiker(Kein Vollautomat sondern Filter-oder Press ) Lieber Gruss, Jürgen

    Gefällt 1 Person

    1. So betrachtet wäre ich wohl ein drei Viertel Schweizer und ebenfalls ein Italiener (3 starke Espressi mit dem Espressokocher, auch bis 15 Uhr und dann finito).
      LG Franz

      Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.