Näher ans Optimum…

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich den Versuch unternommen, eine Lochkamera zu basteln. Hier steht alles, inklusive Hintergründe und Theorie, über diesen noch eher mangelhaften Versuch, ein Nicht-Objektiv zu bauen und ohne Objektiv zu fotografieren.

Heute kann ich doch behaupten, mich deutlich näher an das mögliche Optimum der Lochkamera-Optik herangearbeitet zu haben. Diesmal wird der Sensor voll belichtet mit viel geringerer Vignettierung (Abschattung zum Bildrand hin, vor allem in den Ecken sichtbar). Die verbleibende Unschärfe der Lochkamera, beziehungsweise deren Charme, möchte ich gelegentlich bei passenden Motiven einsetzen. Für heute – bei nach wie vor grosser Hitze (17 Uhr und 33.4 Grad) – müssen zwei einfache Beispielbilder (Nr. 6 und 7) und der Vergleich mit dem erwähnten ersten Versuch (Nr. 1) genügen…

Im Sinne der 80:20 Regel werde ich es nun bei diesem „Objektiv“ belassen. Die Optik noch weiter zu verbessern, ist nicht mein Ehrgeiz. Im Gegenteil, ich könnte mir sogar vorstellen, für ganz bestimmte Motive das erste „fehlerhafte“ Modell zu verwenden.

(Ein Klick auf eines der Bilder ermöglicht wie üblich eine nähere Betrachtung)

 

Fehlerreiches Wandeln auf den Spuren der Vorgeschichte der Fotografie

Die Geschichte der Fotografie hat bekanntlich noch eine faszinierende, „obskure“ Vorgeschichte, die mit Sicherheit bis in die Antike zurückreicht. Vielleicht geht sie noch viel weiter zurück, aber die erste schriftliche Überlieferung einer so genannten Camera obscura geht gemäss Wikipedia auf die apokryphe Schrift Problemata physica zurück. Eine Camera obscura „besteht aus einem lichtdichten Kasten oder Raum, in den durch ein schmales Loch das Licht einer beleuchteten Szene auf die gegenüberliegende Rückwand trifft. Auf der Rückwand entsteht dabei ein auf dem Kopf stehendes und seitenverkehrtes Bild dieser Szene. (Wikipedia)“

Nun, eine Camera obscura kann man auch im Taschen- oder Streichholz-schachtelformat haben. Das Bauprinzip bleibt das gleiche und ist schnell realisierbar.

Der Umbau analoger oder digitaler Kameras zu einer dann so genannten Lochkamera ist eigentlich auch ein Kinderspiel und man findet unzählige Anleitungen dazu im Internet, natürlich auch fröhliche Youtube-Videos, in denen zu Hauf Löcher in Kameradeckel gebohrt werden. Im Detail unterscheiden sich die Tipps und Tricks, das Wesentliche bleibt jedoch immer gleich: Man versucht ein Optimum bei der Lochgrösse herzustellen, damit der gegebene Bildabstand zu einem relativ scharfen Bild führt (Schärfe und Beugungsfehler müssen berücksichtigt werden). Das Ganze lässt sich exakt berechnen, dazu gibt’s auch Tabellen zum Ablesen für verschiedene Bildabstände (Abstand vom Film oder Sensor zum Loch im Kameradeckel).

Allein, die Hauptschwierigkeit lässt sich mit allen Berechnungen nicht beseitigen, so lange man das Loch dann einfach mit einer Stecknadel von Hand in eine Folie sticht. Es nützt nämlich nichts, wenn man den genauen Durchmesser dieses optischen Optimums weiss, der für die meisten Kameras wohl zwischen 0.15 und 0.3mm liegen dürfte. Sagen wir, für meine wäre es 0.235mm. Wie sollte ich von Hand so einen Durchmesser stechen können? Dazu bedürfte es spezieller Technik, die aber dem Charme dieser primitiven Herstellung völlig zuwiderlaufen würde.

Jedenfalls habe ich also eines Tages jene primitive Herstellung aus dem Reich der ewigen Erwägungen gerissen und in die Tat umgesetzt. Dies ging nicht ohne die Mithilfe eines Freundes. Denn ich selbst verfüge über praktisch kein Werkzeug. Und einen Bohrer braucht es dazu eben schon.

Zweikommafünf entscheidende Fehler sind mir dann dabei unterlaufen.

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