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Selbstporträt mit Ortsangabe

In Zeiten der Selfie-Flut, wo sich jede und jeder vor irgendwas oder mit irgendwem mit der eignen Handy-Kamera ablichtet, kann man eigentlich keine Selbstporträts mehr machen, vor allem nicht fotografisch hergestellte. Zu nahe ist die Verwandtschaft mit diesem Massenphänomen, dessen Protagonisten eher ein Motiv hergeben würden: The Making of the Selfies. Heute hat das klassische Selbstporträt als Kunstform beinahe ausgedient. Man müsste schon sehr originell sein, um sich noch selbst glaubwürdig inszenieren zu dürfen. Und das im Zeitalter des Narzissmus, wo sich jede und jeder vermehrt und zuerst um sich selbst dreht.

Wenn ich mein Fotoarchiv durchstöbere, entdecke ich aber einige Selbstporträts. Wie kommt das? Es sind bis auf zwei Gelegenheiten keine überlegten, inszenierten Selbstdarstellungen, sondern nur Schnappschüsse, die sich durch eine Spiegelfläche irgendwo da draussen „ergeben“ haben. Spiegel reizen „das Subjekt“, „das Selbst“ oder was auch immer ich bin, spontan zum Selbstporträt, würde ich mal sagen. Man mag zwar darin einen Hang zur narzisstischen Selbstüberhöhung erkennen; ich glaube das ist jedoch nicht der Fall. Eher ist es eine plötzliche „Selbst“-Wahrnehmung angesichts des Fotografierens alles dessen, was da draussen so tolles herumsteht und -geht: Huch, ich bin ja auch noch da.

12. November 2017

In eigener und sonstiger Sache
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