Wie abstrakt darf/soll es sein?

Wer ICM-Bilder (Intentional Camera Movement) macht, weiss dass diese Techniken die abgebildeten Gegenstände unter anderem auch abstrakter werden lassen.

Die Idee zu diesem Beitrag kam mir, als ich kürzlich aus irgendeinem Grund eine meiner Kameras aus dem Wandschrank nahm und zufällig zum nächsten Fenster rausschaute. Da steht eine kleine Kopfweide – und voilà dieses simple Motiv reizte mich spontan, um abzudrücken.

Ich machte also tatsächlich keinen einzigen Schritt, um die Bilder für diesen Beitrag zu gestalten. Darauf bin ich zwar nicht stolz, nein, es ist einfach so, dass ich wahrscheinlich ein ganz kleines Bisschen faul bin. Etwas positiver formuliert: man könnte mir den Preis für den opportunistischsten Fotografen verleihen. Das wäre doch möglicherweise gerecht. Schliesslich ist es auch eine Kunst, all die vielen Gelegenheiten einfach als solche wahrzunehmen.

Zurück zum Thema: ICM-Bilder machen, bedeutet nicht nur, sich den Kopf über die richtige Technik für das gewählte Motiv zu zerbrechen. Man sollte auch eine Idee haben, wie stark man vom konkreten Motiv abstrahieren möchte. Zwischen den beiden Extremen: Kein ICM, alles mega-scharf und komplett verwischt, konturlos und nicht wieder zu erkennen, gibt es Tausende möglicher Abstufungen. Keine Angst, ich zeige hier nur fünf davon…

Die Frage, welchen Grad der Abstraktion man wählt, hängt ganz vom Thema ab. Will man das konkrete Motiv bloss etwas verfremden oder will man es nur noch als Vorlage für ein völlig anderes, abstraktes Thema zweckentfremden? Ich mache beides gerne, wofür es in meinem Portfolio ja schon viele Beispiele gibt.

Hier bei dieser Kopfweide lasse ich nun fünf verschieden stark abstrahierte Beispiele nebeneinander stehen, einerseits um diesen Effekt zu demonstrieren, andererseits kann ich mich auch gar nicht entscheiden, welches dieser – nur wenig nachbearbeiteten – Bilder ich für eine Illustration eines anderen inhaltlichen Beitrags verwenden sollte. Das Thema dieses Beitrags hinge wiederum von der Wahl des Bildes ab… Natürlich wird die geneigte Fotografin feststellen, dass die ICM-Techniken über die fünf Bilder auch variieren. Etwas nüchterner wäre also eine Reihe gewesen mit gleicher Technik (so gut das geht) und verschieden langen Belichtungszeiten oder verschieden grossen Bewegungen. Aber wo bliebe da der Spass an der Sache?

Wie geht’s euch damit? Hat jemand einen Favoriten?

(Zum Vergrössern bitte einfach auf ein Bild klicken, dann die Galerieansicht aller fünf Fotos geniessen)

 

Shine a light

 

Plötzlich stürmisches Wetter aus dem Nichts. Der Tag wird zur Nacht. Riesige Regen-tropfen und Hagelkörner peitschen gegen die Scheiben des einfachen, sorglosen Daseins. Man ist froh, irgendwo zuhause zu sein und hofft, der Spuk sei bald vorbei.

(Bilder zum Vergrössern einfach anklicken. 2 – 5 sind Ausschnitte von 1)

Ich liebe das Meditieren mithilfe von Bildern wie diesen hier, die mehr Bildmetaphern als Abbildungen der Aussenwelt sind.

Das Schwarzmalen hatten wir schon. Heute drehen wir den Spiess um. Trotz grau-schwarzer, wütender Tristesse da draussen, erscheint nun der Himmel ein bisschen warm erleuchtet. Das tatsächlich herrschende dunkle Grau ist weggezaubert – Nachbearbeitung am Computer sei dank. So in der Art kann man Situationen neu bewerten.

Als ich vor einiger Zeit die Idee zu diesem Beitrag hatte, bin ich über diesen schönen Post gestolpert. Okay, dachte ich, so kann man das auch machen. Ich glaube, Wirkung und Aussage der Bilder sind bei beiden Beiträgen ähnlich und doch ein kleines bisschen anders. Der Sturm bringt hier ein weiteres, bedrohliches Element hinzu, bei Putetet führt die Bildbetrachtung zur Weisheit des Konfuzius.

Dessen Aufforderung etwas zu tun, wiederhole ich hier aber nicht. Ich denke, es kann auch sehr hilfreich sein, zu sehen, dass es manchmal gar nicht so schlimm ist, wie man zunächst befürchtet hat.

Man kann auch weder die Dunkelheit verfluchen noch ein Licht anzünden. Das Licht ist oft schon da. Man muss es nur sehen wollen.

Also, nichts tun, ist manchmal die richtige Lösung. Denn ein Gewitter zieht von alleine wieder ab.

Auch in der dunkelsten Stunde scheint noch ein Licht.

Und am letzten Ende soll das Licht angeblich besonders schön und hell scheinen…

Calatrava in St. Gallen

Früher als Student in Zürich habe ich einige Zeit mit Warten auf Anschlüsse, Ein-, Aus- und Umsteigen am Bahnhof Stadelhofen verbracht. Die besondere Architektur der Perronüberdachung mit den schiefen Eisenträgern fand ich jeweils recht kurzweilig. Kein Vergleich mit anderen, eher tristen modernen Bahnhöfen. Mir gefiel dieses Schwungvolle und Organische, was mich wiederum – etwas weit hergeholt vielleicht – auch an H.R. Gigers Alien erinnerte. Jedenfalls scheint der Architekt die besondere Gabe zu besitzen, aus totem Stahl und Beton etwas „Lebendiges“ zu gestalten. Nicht die reine Funktion steht bei ihm im Vordergrund, sondern die künstlerische Ausgestaltung von Nutzbauten. Ich brauche Santiago Calatrava ja nicht näher vorzustellen, er ist weltbekannt. Hingegen zitiere ich gerne aus Wikipedia zum Stadelhofer Bahnhof:

Beim Neubau der Station blieb das 1894 erbaute spätklassizistische Aufnahmegebäude bestehen. Es wurde in die vom Architekten Santiago Calatrava aus Beton und Stahl gestaltete Perronüberdachung integriert, bei der ihm die Rippen eines Stiers Vorbild waren. Besonders auffallend ist die für die nächtliche Verschliessung der Abgänge zum unterirdischen Ladenbereich und den bergseitigen Perrons gewählte Lösung mit kunstvollen Klapptoren. Eine ebenfalls organisch-skulpturale Treppen- und Brückenanlage führt als Fussgängerpassage neben dem Eingangsgebäude vom Bellevueplatz über die Gleise bergan zu einer Passerelle, die oberhalb der Gleise parallel verläuft und den Passanten Sitzmöglichkeiten und Aussicht bietet. (Wikipedia) „Calatrava in St. Gallen“ weiterlesen

Sehen wir uns am 24. Juni?

In Frauenfeld an der art-thur 18!

(Zum Vergrössern Bild bitte anklicken)

Ich freue mich, mit einem eigenen Ausstellungsstand teilzunehmen mit Bildern in verschiedenen Formaten, von der Postkarte bis zum 40x60cm Alu-Dibond-Wandbild.

Mehr Farbe für die Thur

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on the Thur

So wie auf diesem Bild oben sieht es an der Thur in Weinfelden bei Niedrigwasser aus.

Graue Steine und weisses Glitzern der Sonne im dunklen Wasser. Schön. Aber das war mir definitiv zu wenig bunt.

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Am Ufer – Wollgras, Frosch und Sonnenuntergang

Hier ein paar aktuelle Bilder vom Teich in unserem Garten, aufgenommen bei grauem Himmel…

 

Und hier ein paar Bilder vom Seerhein in Tägerwilen, aufgenommen vor ein paar Tagen beim Grillabend des Kreuzlinger Fotoclubs. Da war das Licht fantastisch. Vielleicht kommt das ein bisschen rüber.

Fehlerreiches Wandeln auf den Spuren der Vorgeschichte der Fotografie

Die Geschichte der Fotografie hat bekanntlich noch eine faszinierende, „obskure“ Vorgeschichte, die mit Sicherheit bis in die Antike zurückreicht. Vielleicht geht sie noch viel weiter zurück, aber die erste schriftliche Überlieferung einer so genannten Camera obscura geht gemäss Wikipedia auf die apokryphe Schrift Problemata physica zurück. Eine Camera obscura „besteht aus einem lichtdichten Kasten oder Raum, in den durch ein schmales Loch das Licht einer beleuchteten Szene auf die gegenüberliegende Rückwand trifft. Auf der Rückwand entsteht dabei ein auf dem Kopf stehendes und seitenverkehrtes Bild dieser Szene. (Wikipedia)“

Nun, eine Camera obscura kann man auch im Taschen- oder Streichholz-schachtelformat haben. Das Bauprinzip bleibt das gleiche und ist schnell realisierbar.

Der Umbau analoger oder digitaler Kameras zu einer dann so genannten Lochkamera ist eigentlich auch ein Kinderspiel und man findet unzählige Anleitungen dazu im Internet, natürlich auch fröhliche Youtube-Videos, in denen zu Hauf Löcher in Kameradeckel gebohrt werden. Im Detail unterscheiden sich die Tipps und Tricks, das Wesentliche bleibt jedoch immer gleich: Man versucht ein Optimum bei der Lochgrösse herzustellen, damit der gegebene Bildabstand zu einem relativ scharfen Bild führt (Schärfe und Beugungsfehler müssen berücksichtigt werden). Das Ganze lässt sich exakt berechnen, dazu gibt’s auch Tabellen zum Ablesen für verschiedene Bildabstände (Abstand vom Film oder Sensor zum Loch im Kameradeckel).

Allein, die Hauptschwierigkeit lässt sich mit allen Berechnungen nicht beseitigen, so lange man das Loch dann einfach mit einer Stecknadel von Hand in eine Folie sticht. Es nützt nämlich nichts, wenn man den genauen Durchmesser dieses optischen Optimums weiss, der für die meisten Kameras wohl zwischen 0.15 und 0.3mm liegen dürfte. Sagen wir, für meine wäre es 0.235mm. Wie sollte ich von Hand so einen Durchmesser stechen können? Dazu bedürfte es spezieller Technik, die aber dem Charme dieser primitiven Herstellung völlig zuwiderlaufen würde.

Jedenfalls habe ich also eines Tages jene primitive Herstellung aus dem Reich der ewigen Erwägungen gerissen und in die Tat umgesetzt. Dies ging nicht ohne die Mithilfe eines Freundes. Denn ich selbst verfüge über praktisch kein Werkzeug. Und einen Bohrer braucht es dazu eben schon.

Zweikommafünf entscheidende Fehler sind mir dann dabei unterlaufen.

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Rückblende

Manchmal werde ich ein wenig nostalgisch und stöbere auch in den älteren Ablagen meines Fotoarchivs. 2011 habe ich meine allerersten ICM-Bilder gemacht, die ich heute gerne mal zeigen möchte.

Das erste ist im Juni in der Toskana entstanden. Es war ein kühler, ungemütlicher Tag, es regnete und der Blick aus dem Hotelzimmer war eigentlich nicht wirklich fotogen. Irgendwie kam ich dort auf die Idee, einen Wischer ins triste Bild zu malen und schon war es da, mein erstes ICM-Bild. Auf dem Kameramonitor sah das ganz nett aus und ich hab’s bis heute im Archiv behalten.

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Monteriggioni

Das Zweite entstand im gleichen Jahr im Oktober in Venedig. Wir sassen im Caffè Florian und haben zwei Kaffees und etwas Kuchen bestellt, dazu dudelte schöne Live-Kaffehausmusik von draussen durch die offenen Türen und Fenster herein. Das machte schlappe 50 Euro, aber was soll’s, wir waren im Flo in Venedig und man gönnt sich ja sonst nix…

Dort hatte ich dann die Idee, die Kamera während der Belichtungszeit ein wenig um die Objektivachse zu rotieren. Das Resultat fand ich damals sogar sehr aufregend – nun, wahrscheinlich neige ich halt doch etwas zu Selbstüberschätzung…

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Caffè Florian, Venice

In den folgenden Jahren habe ich fotografisch gerne ein bisschen experimentiert und so hat es also angefangen, das Fotografieren nicht nur im Dokumentarstil und als Ferienerinnerung, sondern aus Leidenschaft, um die Welt so darzustellen, wie ich sie gerne sehe.

Jahrelang wusste ich nichts von ICM, ich habe es einfach gemacht. Ich war sozusagen der ignoranteste Autodidakt, den man sich vorstellen kann. Vor zwei, drei Jahren habe ich dann realisiert, dass viele andere Fotografen „das“ ja auch machen. Und seit etwa einem Jahr wusste ich dann endlich, wie das Ding heisst und seither schreibe ich auch überall fleissig ICM auf meine Fahnen.

Noch viel viel weiter zurück geht diese Geschichte. 1984, Johnny Winter live am Jazzfestival in Montreux. Als ich dieses Video kürzlich anklickte, realisierte ich, dass ich exakt bei diesem Konzert selbst unter den Zuschauern war. Nun, überlanger Blues plus Guitar Heroes Sound – das ist heute sicher nicht gerade jedermanns Sache. Aber damals war’s echt geil, ein ganz tolles Erlebnis.

Es gibt genau drei Arten, wie man dieses Video schauen/hören kann: 1. Gar nicht, aus erwähnten Gründen, 2. Beim Bügeln so nebenbei reinhören und dabei ein paar Falten zu viel ins Hemd bügeln oder 3. Die Boxen voll aufdrehen, zuschauen und geniessen. It’s up to you.

Frühlingsfarben – Spektralfarben

Die Idee für diese Frühlingsbilder habe ich Annett und ihrem schönen Beitrag über die Anwendung von Spektralfolie zu verdanken. Zum inzwischen schon fortgeschrittenen Frühling passen diese Regenbogenfarben ganz gut, finde ich. Auch die „Strukturechos“ und der Weichzeichnungseffekt sind meiner Meinung nach ein Gewinn für bestimmte Sujets.

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Ein Jahr auf WordPress.com

Nein, eine Party mache ich deswegen nicht. Auch keine endlosen Analysen, was denn bisher gut war und was bisher noch nicht so funktioniert. Heute, am 21. April, ist es einfach genau ein Jahr her, seit ich meine Homepage online geschaltet habe. Das Baby kann nun schon ein paar tapsige Schrittchen machen, dann fällt es hin, rappelt sich wieder auf und macht munter weiter.

Zur Feier des Tages gibt’s ein paar Impressionen aus der Hauptstadt. Bern hat eine grosse intakte Altstadt, die fotografisch viel zu bieten hat.

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Dranbleiben – Der Alpstein zum dritten Mal

Vielleicht mag das wenig spannend oder abwechslungsreich wirken: Jetzt schon ein dritter Beitrag mit je einem neuen Bild vom gleichen Sujet…

Nun, es ist halt ein Prozess, den ich hier im Blog abbilde. Eine Entwicklung innerhalb von wenigen Wochen und mithilfe von drei Posts verarbeitet. Wären die drei Bilder gleichzeitig fixfertig gewesen, hätte ich sie natürlich gerne in einem Post nebeneinander gezeigt, keine Frage. Aber so war es eben nicht.

Beim ersten Bild, aufgenommen am 08. März 2018, dominieren kräftige, warme Farbtöne, die Berge sind jedoch nur andeutungsweise zu erkennen.

Das zweite Bild, aufgenommen am 30. März 2018, zeigt hingegen die Bergstruktur schon recht deutlich, die Stimmung ist wetter- wie aufnahmetechnisch bedingt etwas düster bis dramatisch mit starken Kontrasten.

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Ein zweiter ICM-Blick auf den Alpstein

Nun, immer wieder der Versuch, etwas noch besser zu machen…

Also nochmals das gleiche Motiv, ein paar Tage später mit neuer Technik.

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Farbe – beinahe ohne Struktur

Abstrakte Fotografie ist sicher nicht jedermanns Sache. Ich versuche es dennoch heute mal mit verschiedenen Farbkombinationen und -verläufen.

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Schreib wieder mal Kartengrüsse

Jetzt kannst Du dir (und mir natürlich auch) ganz einfach eine Freude machen, indem Du Karten mit meinen Motiven bei mir bestellst!

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