Evolution der Rekorde

Das Leben selbst ist der Motor.

Er sucht diese Intensität, geht immer wieder an seine Grenzen, will alles und sofort. Das Laute und Schnelle siegt zuverlässig im Wettlauf der Evolution.

Manchmal ist dieses Laute und Schnelle auch das Schöne.

Doch warum ist es das? Weil es erfolgreich ist? Weil wir auf diese Reize programmiert sind?

Intensität der Farbe, der Fruchtbarkeit. Wir reden nicht über Symbole. Nein, wir sprechen hier von Rot. Ganz unmittelbar, rein, rasend und unbarmherzig.

Rot – so sanft wie der Beat von Charly Watts auf Rocks Off; so rabiat wie ein lauer Spätsommerabend.

Rot – so laut wie das Vakuum jenseits des Sonnensystems; so leise wie der inbrünstige Schrei eines einsamen Pottwals im Dunkel des Pazifiks.

Rot – so verrückt wie die tägliche Dosis Fluctine zum Frühstück; so normal wie ein Massaker an Ureinwohnern auf einer Karibikinsel.

Rot ist ein irres, befreiendes Lachen.

Rot ist eine Träne, gefüllt mit dem Salz aller Enttäuschungen.

Der Mohn jedenfalls ist rot…

Wir leben, um diese Intensität zu fühlen. Sie nährt unsere Wünsche, unsere Illusionen, unsere Wahnvorstellungen, ohne die wir keinen Tag atmen könnten. Wir lassen uns zu neuen Rekorden hetzen und in absurde Extremismen treiben. Aber an guten Tagen wollen wir einfach nur glücklich sein, lieben und über uns selbst lachen. Insofern wir überhaupt leben, sind wir nur diese Gefühle. Alles andere sind intellektuelle Selbsttäuschungen.

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Endlich wieder eine – nein gleich zwei – Ausstellungen

Covid-19 bedingt habe ich eine lange Weile nicht mehr ausstellen können.

Am Wochenende gibt’s nun gleich zwei Ausstellungen, wo jeweils ein paar meiner Bilder gezeigt werden.

Am Freitag, den 03. September 2021 beginnt um 19 Uhr die Vernissage der Jubiläumsausstellung des Fototreffs Grenzfall Kreuzlingen/Konstanz im Kult-X an der Hafenstrasse 8 in Kreuzlingen. Für diesen Anlass wird Covid-bedingt um eine Anmeldung auf der Homepage des Kult-X gebeten.

Die Ausstellung dauert vom 04. bis 19. September 2021.

Öffnungszeiten:

Samstag/Sonntag: 13 – 17 Uhr

Montag – Freitag: 15 – 19 Uhr

Mittwoch, 08. September 2021: geschlossen

Am Sonntag, den 05. September 2021 findet die art-thur 21 in Frauenfeld in der Festhalle Rüegerholz statt.

Öffnungszeit: 09 – 17 Uhr

Ich freue mich auf Euren/Deinen Besuch am 03.09. in Kreuzlingen und/oder am 05.09. in Frauenfeld!

Cimitero monumentale di Staglieno

Tritt man durch den Haupteingang in diesen monumentalen Friedhof ein, fällt das pulsierende Leben sofort ab wie lästige Fliegen. Der Lärm der nahen Stadt, alle sonst so zuverlässig vor einem stehenden Aufgaben und jegliches strebsame Tun treten in den Hintergrund und man wird gefangen genommen von einer ungeahnten Präsenz und Gegenwärtigkeit der eigenen Existenz und einer merkwürdigen Stille, die durch lautes, nie endendes Zirpen der Grillen noch untermauert wird.

Die lebhaften Farben des Blumenmeers auf den zentralen Grabfeldern verblassen bald vor dem inneren Auge, das sich auf das Wesentliche konzentrieren möchte. Wie selbstverständlich ist der Himmel jetzt bewölkt, die Sonne zieht sich diskret zurück. Der Boden ist zweifelsfrei fest und doch sucht man Halt.

Man fühlt sich klein und bedeutungslos wie in den Bergen, vor allem wenn man vor der neun Meter hohen Statue des Glaubens und vor der monumentalen Treppe steht, die zum mächtigen Pantheon führt. Für einen Moment scheint sich diese Statue langsam zu bewegen, scheint das schwere Kreuz empor zu heben. Als würde sie den Weg zu einem bestimmten Grab zeigen wollen.

Der Begriff Andacht bekommt hier eine neue Dimension, die mit Worten kaum zu fassen ist. Die Zeit verläuft langsamer, sie dehnt sich als sei man kurz vor dem Eintritt in ein galaktisches schwarzes Loch. Jegliche Eile wäre nun lächerlich.

Zehntausende Gräber, unzählige Statuen, Denkmäler, Säulengänge und Grabkapellen umgeben das Pantheon. Die Wünsche der Menschen, Trauer, Schmerz und Hoffnung der Hinterbliebenen, aber auch der Stolz und die Freude über das Erreichte auf Erden sind von Künstlern tausendfach in Marmor gemeisselt und in Bronze gegossen worden. Diese Werke verschiedenster Stilrichtungen, vom Neoklassizismus bis zum Art déco, versuchen die grosse Leere, die der Tod offensichtlich hinterlässt, mit all dem zu füllen, was Menschen bewegt.

Es sind diese Wünsche, die seit Jahrzehnten hartnäckig in den filigranen, zerbrechlichen Engelsflügeln sitzen bleiben und die den wahren Kern des menschlichen Lebens ausmachen, selbst wenn wir das gar nicht mehr verstehen.

Der Wunsch schwerelos und frei zu schweben, zu gleiten, zu fliegen, Grenzen spielend zu überqueren wie ein Schmetterling.

Der Wunsch nach Überwindung des Todes, nach Unsterblichkeit, den wir heute kaum mehr zulassen, es sei denn als belanglose Floskel auf einer Beerdigung, entsprach zur Blütezeit dieses Friedhofs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei vielen Menschen noch einem festen Glaubensbekenntnis.

Ich schaffe es nicht, dieses gigantische Freilichtmuseum der sakralen Bildhauerei systematisch zu durchforsten. Zu weit die Wege, zu umfangreich und verwirrend die ganze Anlage, zu chaotisch vor allem mein Gehirn. Es gibt zwar detaillierte Pläne, sogar zwei kleine Buslinien innerhalb des Friedhofs, die die Angehörigen zu den Gräbern ihrer Liebsten bringen.

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Doch mir bleibt nur ein planloser mehrstündiger Spaziergang, um Eindrücke zu sammeln. Ich finde dabei soviel Melancholisches und Surreales, wie selten zuvor. Zum Beispiel eine lebendige Gottesanbeterin, die auf der Spitze eines Marmorflügels eines kindlichen Engels sitzt; sie betet für die Seelen der vielen toten Kinder oder fängt einfach nur einen Käfer, um satt zu werden.

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Im inneren Ohr erklingt Crêuza de mä, jenes monumentale Lied des Genueser Liedermachers Fabrizio de Andrè, das die Zeit genauso zu dehnen und relativieren vermag wie der Friedhof von Staglieno. Doch leider finde ich sein Grab nicht.

Umbre de muri muri de mainé – Schatten von Gesichtern, Gesichter von Matrosen,

dunde ne vegnì duve l’è ch’ané – woher kommt ihr, wohin geht ihr?

Viale delle Palme

Nichts ahnend ging er die Viale delle Palme vom Bahnhof ins Zentrum von Nervi Genova hinauf, um beim Panificio einen leckeren Panettone genovese basso zu erwerben.

Ein zarter, warmer Windhauch durchstöberte auf einmal die stehende Luft und brachte eine Prise Salz vom nahen Meer mit. Da fielen drei reife Orangen direkt neben ihm krachend zu Boden. Nochmal Glück gehabt.

Im ersten Moment fragte er sich, wer die wohl nach ihm geworfen habe. Doch ein Blick auf die Bäume, die die Strasse säumten, wiesen zu seiner Verblüffung auf eine andere Ursache dieser Attacke hin.

Ja, es stehen auch Palmen an der Viale delle Palme, aber eindrücklicher für einen Menschen nördlich der Alpen sind die vielen Orangenbäume, die die Strasse säumen. Täglich werden die zahlreich herunter fallenden Früchte weggeräumt und doch sind sie unübersehbar.

Der Skeptiker am Strand von Camogli

Er stand allein im groben Kies von Camogli. In einer Nacht im Februar, in horizontloser Dunkelheit. Natürlich war es kühl und doch war da eine Illusion von salztrunkener Wärme. So blieb er eine Weile stehen, fragte sich wie so oft, ob er das Richtige tat. Sehen konnte man beinahe nichts. Doch er hörte das Meer unablässig gegen das Ufer arbeiten. Helles Rauschen und dumpfes Steine Rollen wechselten sich immer wieder ab. Derweil fühlte er sich ein wenig schutzlos und doch auf eine seltsame Art geborgen; das kam ihm absurd vor. Er fühlte sich selbst als absurdes Wesen. Ihm war es, als sei er in den dunklen Magen eines gigantischen Tiers hinabgestiegen, vor sich nur noch tosende Verdauungssäfte.

Night – light – waves 1
Night – light – waves 2
Night – light – waves 3

Aber die Augen gewöhnten sich an die Nacht. Keine Sterne, kein Mond, keine Positionslichter von Fischerbooten. Nein, es war das Leben der Stadt, das gerade noch die brechenden Wellen erleuchtete. Dort, an der Uferlinie, hätte er ausharren wollen bis in den Morgengrauen. Bis er die Basilica Di Santa Maria Assunta wieder zu sehen bekäme. Doch seine Müdigkeit zwang ihn, die spontane Idee zu verwerfen.

So sah er die Kirche schon bald im Traum, wie sie heftig umspült wurde von dunklen, turmhohen Wellen, als wollte das Tier sie ohne zu zögern verspeisen. Nach bangen Momenten tauchte ein barmherziger Wal am Strand auf, spuckte einen sonderbaren Heiligen aus, der sich betend niederkniete und alsbald verstummten die Winde und das Meer zog sich zurück.

Camogli 9

Beim späten Frühstück sah er durchs Panoramafenster des Hotels, dass die Basilica den Traum unbeschadet überstanden hatte. Möwen umkreisten sie, als könnten sie das kostbare Bauwerk mit ihren Engelsflügeln beschützen.

Die Kirche, benannt nach dem Glauben an die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel, ist einer jener Orte, an denen die Mutter Gottes, die Ersterlöste, der erste unsterbliche Mensch in der Chronik des christlichen Glaubens, verehrt wird.

Vor dem Verzehr der verbotenen Frucht, also im Urstand, wäre Unsterblichkeit noch selbstverständlich gewesen. Tempi passati. Ewiges Leben bleibt folglich der grösste Wunsch vieler Sterblicher. Der Skeptiker fragte sich, wie er sich denn diesen süssen Wunsch verwirklichen könnte; bemerkte aber sogleich, wie töricht sein Gedanke doch war.

Transzendenz der Melancholie

Tauchen ist ein Sport in Schwerelosigkeit. Aber Abtauchen in ungeahnte Tiefen, in empfindliche Dunkelheit, in eine Welt der dreifachen Schwerkraft, ist etwas ganz anderes.

In dieser Tiefe stellen sich neue Fragen: Wie habe ich das bisher nur alles ausgehalten, das schreiende Licht, die zügellosen, grellen Geräusche, die Schnelllebigkeit, die flachen Witze, der öde Smalltalk, all das Makeup und falsche Lachen? Sicher diese Aufzählung gelingt auch beim Schnorcheln an der Oberfläche. Aber die absurde Störung der eignen Existenz durch den Normalbetrieb der Welt wird einem erst dann bewusst, wenn einem dieser Betrieb nicht mehr erreicht.

Man ahnt zwar, am tristen Meeresgrund kann man mangels Sauerstoff nicht zu lange bleiben. Doch die Vorstellung, einfach wieder aufzutauchen, wider diese unerbittliche Schwerkraft, diese Vorstellung lähmt.

Ein wenig Abtauchen – wieder auftauchen.

Ein normaler Rhythmus, der unterbrochen wird. Durch ein radikales, viel tieferes Niedersinken. Sich fallen zu lassen, die Kontrolle zu verlieren… Ist das nicht ambivalent? Wünscht man sich insgeheim nicht solche radikalen Pausen im Wahnsinn des täglichen Schwungs? Und fürchtet sie zugleich?

Melancholia I

Am Boden angelangt, wie bewerte ich diesen ungeplanten Tauchgang? Das Gerede von jede Krise sei auch eine Chance, trifft es nicht ganz. Diese Chance meint eher eine Rückkehr an die alten Ufer, um dort neue Pfähle in den gleichen Sumpf zu schlagen.

Wie sieht der Andere aus vor diesem dunklen HIntergrund? Ist er bei sich selbst oder nur eine Marionette? Warum sehe ich seine Fäden im Dunklen besser? Wer zieht daran? Jeder selbst. Jeder ist sein eigner Puppenspieler. Nur die Drehbücher sind fremd. Verrückt.

Aber warum habe ich auf einmal so viele Fragen…?

Soll ich etwas bekämpfen, was einen Platz in mir verlangt? Die Schwerkraft zu akzeptieren bereitet Mühe, vor allem wenn sie sich wie im vorliegenden Fall im Nu verdreifacht. Wie kompensiert man diese Last? Immerhin die Regeln einer hypomanischen Gesellschaft fallen ab.

Ein fulminanter Neustart? Mit schreienden Neonfarben? Wozu? Schwarz hat seine eigne Dynamik, woraus Schritt für Schritt ein Weg freigetreten wird. Meine Reiseziele definiere ich lieber nach meinen eignen zwiespältigen Bedürfnissen.

Melancholia II

Meine alten Ziele waren die falschen. Nicht meine eignen; waren nicht an meine Existenz adaptiert. Das Verfehlen von irrigen Zielen, ist das nicht ein Segen? Könnte sich manchmal so erweisen, immerhin. Das wäre tröstlich.

Wozu dann noch Schwarzmalen? Weil Schwarz mein Kompass im Leben ist; ein Warnschatten.

Schwarz ist ein inverser Leuchtturm in hellster Nacht.

Ein radikal paradoxes Bild. Doch in den eignen Abgründen kann man seinen bescheidenen Weg weniger verlieren. Paint it black.

Melancholia III

Ein wenig hinter die Dinge zu kommen, zu verstehen und zu fühlen, gelingt womöglich just mit solch flaumigen Tauchgängen. Ohne Gewähr. Aber ohne diese Erfahrungen wäre meine Welt fraglos flach, trocken, hart, dumm, im besten Fall rational geblieben.

Stelser Zeitreise

Als ich endlich das grosse Scheunentor hinter mir schloss, es war schon später Nachmittag, da empfing mich eine unglaublich frische, ja kalte Bergluft. Ich blinzelte ins Licht und hörte nichts als sanften Wind. Ich liess mich von meinen Schritten leiten. Ein Ziel hatte ich nicht. Noch nicht.

Fog and snow in May, Stels 1
Fog and snow in May, Stels 2
Fog and snow in May, Stels 3
Fog and snow in May, Stels 4

Inzwischen, längst hier unten wieder gestrandet, im erbarmungslosen, brüllenden Flachland, erstaunt mich doch die grosse Distanz, welche die kurze Zeit zwischen Mai und Juni auf die Ereignisse zu legen vermag. Das Erinnern wird durch tausend Banalitäten zugedeckt. Man sagt auch, die Erinnerung verblasse. Doch ist es nicht viel mehr ein Zuschütten? Täglich fallen neue Schichten wie Schnee auf die alten Tage, die sich unter dem Gewicht der Gegenwart immer weniger bemerkbar machen.

Der Mai in Stels hingegen begann mit viel Schnee. Im Laufe der Tage trug die Sonne geduldig Schicht um Schicht ab. Bis nur noch kurzes Gras blieb. Millionen Krokusse blühten am Tag darauf. Noch einen Tag später kam ein Mensch auf einer fahrenden Mistschleuder vorbei und änderte alles von Neuem. So erinnert sich Berglandschaft an den Frühling. Hier sind die Spuren der Jahreszeiten noch direkt erlebbar.

Ein Hase sprang talwärts, ein Falke suchte in der Luft stehend nach Mäusen. Und ein paar Rehe scheuchte ich ungewollt aus dem Unterholz. Junge Birken tanzten in den Mai. Über allem hingen schwere Wolken, die mich einhüllten und wieder losliessen. Auch der Schnee war schwer. Mein Weg oft kaum zu sehen. Ich sank ein bis über die Knie. Manchmal durchquerte ich steile Bachtobel, die voller Geröll, Totholz und Geschiebe waren. Erinnerung an einen harten Winter. Kiesgeschiebe verwandelte sich in dickflüssigen Teig. Die Schritte darin wurden zur Lotterie.

Müde zurück, das riesige Scheunentor aufschiebend, freute ich mich einfach darauf, einiges an Holz im Ofen zu verbrennen. Die Berge versanken im Vergessen der Nacht.

Critters everywhere!

Diese düsteren Bilder wirken vielleicht ein bisschen wie ein Rorschachtest. Eigentlich sind es Ausschnitte aus Landschaftsaufnahmen, die durch starke Vergrösserung abstrakt wirken. Man kann darin einiges „sehen“ oder eben nicht. Wer hier allerhand Figuren, Gesichter und Getier sieht, ist wohl eher ein bisschen introvertiert. Wer hier nur sinnfreie Kleckse sieht, ist eher extravertiert. So weit jedenfalls Hermann Rorschachs Überzeugung. Es gibt diesbezüglich kein Richtig oder Falsch, wie es auch beim Urteil über abstrakte Werke keine Wahrheit gibt, sondern nur eine Vorliebe, Abneigung oder dann Gleichgültigkeit. Ich oute mich hiermit als Introvertierter, denn ich habe in diesen Ausschnitten allerhand „Lebendiges“ gesehen.

Soviel zum Inhalt der Bilder. Für die „harten“ Wasserzeichen muss ich mich wohl entschuldigen… Ausnahmsweise möchte ich aber noch technische Details bekannt geben. Inzwischen mache ich schon seit bald zehn Jahren solche Bilder, deren Technik man nun Intentional Camera Movement (ICM) nennt. Vor ein paar Jahren war das noch etwas Besonderes oder etwas Verrücktes, je nach dem, wie man das sehen will. Heute gibt es hingegen tausende Fotografen, die diese Technik verwenden. Auf Instagram kann man unter dem Hashtag #intentionalcameramovement über hunderttausend solcher Bilder bestaunen. Inzwischen haben sich auch die Techniken entsprechend entwickelt. Ich gehöre mit meiner so genannten „in camera single exposure intentional camera movement“-Technik schon zu den eher zurückhaltenden oder „konservativeren“ Anwendern. Heute erlangen „multi exposure“-Bilder bzw. Bilder, die mit einem technischen Mix am Computer hergestellt oder verfeinert werden, immer mehr Beachtung. Ich weiss natürlich nicht, ob ich nicht auch eines Tages solche Techniken anwende, bisher habe ich es jedenfalls nicht getan, bzw. nur für mich allein im stillen Kämmerlein zum Experimentieren.

Ich möchte diese Bemerkung nicht als Wertung verstanden wissen, sondern einfach als Erläuterung für jene, die sich für die technischen Details näher interessieren. Die Qualität oder der „Wert“ eines Bildes kann meiner Meinung nach nicht im geringsten durch die verwendeten Techniken bestimmt werden. Eine rein digital hergestellte Komposition kann genau so gut oder schlecht sein wie ein „naturalistisches“ Foto oder irgendeine Zwischenstufe zwischen Fotografie und digitaler Kunst.

Das Ausgangsmaterial für diese drei Bilder sind zwei ICM-Fotografien der gleichen Landschaft (Toggenburg im Dezember 2019). Die Ausschnitte sind recht klein, was wiederum eine gute Auflösung des Sensors bedingt. Mit einer Handy-Kamera wären diese Ausschnitte so nicht möglich. Bild eins und drei zeigen genau den gleichen „Landschafts“-Ausschnitt. Durch die ICM-Technik werden es dennoch zwei verschiedene Bilder. Es ist eben unmöglich, zweimal das gleiche ICM-Bild zu machen.

Verwendet habe ich eine Sony-Vollformat-Systemkamera mit 70mm Brennweite, ISO 100, Blende 4, Belichtungszeit 1.8 sec., Neutraldichtefilter 3.0, Freihand mit Bewegung während der Belichtungszeit, Aufnahme in RAW-Format, nachbearbeitet mit Capture One und Tonality.

(Zum Vergrössern einfach auf eines der Bilder klicken)

Der Vorhang ist gefallen

Ich bin selber überrascht, wo überall hin so eine kleine Textreise führen kann. Aber mit Abschluss der zweiten Staffel ist mein Abenteuer in Hulls Labor vorbei. Oder zumindest für eine Weile auf Eis gelegt. Würde man das Ergebnis oder den Zwischenstand in jenem Labor mit einem klassischen Drama vergleichen, was zwar gar keinen Sinn macht, so wären noch drei weitere Staffeln angeraten… Aber da die Handlung zweifellos ihren Höhepunkt bereits erreicht hat, wären’s dann nur noch zwei. Und da eine Retardation nun so gar nicht mein Ding ist (zum Glück), wäre nur noch der finale Akt zu bewältigen, also die Katastrophe oder doch die Katharsis…? Hui, wenn man das wüsste!

(Diese beiden Bilder können in Originalgrösse betrachtet werden)

Jetzt mal etwas ganz anderes

Vielleicht kennen Sie/kennst du das auch? Diesen Drang etwas zu schreiben. Eine Twitterzeile, Tagebuch, Liebesbrief, einen Fortsetzungsroman oder sonst etwas. Wahrscheinlich schon. Vielleicht ist dieser Drang bei manchen so gross, wie ein Bild, nein, viele Bilder, zu machen und dann diese mit anderen zu teilen.

Also mir geht das jedenfalls so und ich habe im Laufe meines Lebens schon einige Anläufe genommen, etwas zu schreiben, um es dann auch jemandem zu zeigen, obwohl es keine persönliche Botschaft war. Was das jeweils wirklich gewesen ist, weiss ich aber selbst nicht, wahrscheinlich nur nette Versuche, etwas neu zu formulieren, was andere schon längst getan haben.

Nun, in diesen Virus- und Lockdownzeiten, mitten im Winter mit überwiegend brutalem Wetter, da lockt die Tastatur noch um einiges mehr als sonst schon. Tagelang hat man nichts Gescheiteres zu tun, als irgendwelche Geschichten zu erfinden. Bevor ich nun anfange um den Brei herumzulaufen: Ich habe also Anfang Januar mit einem neuen Blog begonnen, ohne Bilder, nur mit Texten. Eben aus diesem Drang heraus, den ich selbst nicht ganz verstehe.

Die Frage, worum es denn geht in diesen Texten, muss ich wohl mit einer Enttäuschung beantworten. Der Inhalt ist leider schon recht eigenartig. Das fällt sogar mir selbst auf. Ein paar müssige Überlegungen eines früheren Psychologen, die mir manchmal noch durch den Kopf trollen. Und um diesem Treiben im Hinterstübchen ein Ende zu bereiten, habe ich vermutlich diese Texte geschrieben. So genau weiss ich das selber nicht. Vielleicht ist es auch nur die etwas längere Version von dem hier. Ob es weiter gehen wird mit diesen Texten, keine Ahnung. Das Ganze mache ich, wie immer, wenn ich etwas tue, ohne Plan und Absicht. So kommen dort sicher merkwürdige Begriffe vor, inhaltlich mag das schwer verständlich sein und manche Bezüge zu irgend etwas da draussen bleiben womöglich für immer im Dunkeln. Aber wenigstens der Form nach ist die Geschichte sehr einfach. Meist sind es kurze Dialoge, wie sie auch im Alltag irgendwo erscheinen könnten.

Blogformate sind eigentlich ein Graus für Fortsetzungsgeschichten, weil das Neueste immer zuoberst steht. Darum habe ich sogar einen Link geschaffen, um die Geschichte chronologisch lesen zu können. Falls man sich das also antun möchte, so gibt es immerhin die schöne Gelegenheit, mittendrin richtig gute Musik anzuhören:

Hulls Labor

Herbst 2020

Immer wieder übe ich mich darin, all das Verrückte unserer Zeit mit Gelassenheit hinzunehmen. Eine Übung, die leider nicht immer so gut gelingt. Am besten tut es das noch mit dem Fotoapparat draussen in der Natur, wenn ich an meinen Bildmetaphern arbeiten kann. Der Herbst ist dafür eine wunderbare Quelle.

Again and again I practice taking all the crazy things of our time with serenity. An exercise that unfortunately does not always work so well. It’s best to do this with the camera outside in nature, when I can work on my metaphors. Autumn is a wonderful source for this.

(Zum Vergrössern, einfach auf ein Bild klicken – To enlarge, just click on a picture)

Blau

Seit Urzeiten spiegeln sich Wasser und Himmel gegenseitig ihre blaue Verwandtschaft – und ihre ewige Trägheit… Man könnte meinen, sie bremsten damit auch unsere rasende Zeit aus. Sogar Segelboote scheinen – manchmal – von menschlicher Hektik befreit. Die Gretchenfrage ist: Warum brauchen wir dann eine Regatta?

(Zum Vergrössern der Bilder – einfach drauf klicken)

Minimalstrand

Nachts am Strand bei etwas (künstlichem) Restlicht. Da, ein paar Wellen – und was bleibt, ist die unbeschreibliche Stimmung dieses Moments im frischen Wind, im Duft des Salzwassers und mit dem nichts und zugleich alles versprechenden Rauschen der brechenden Wellen.

Nochmals Camogli

Hier noch drei weitere Bilder von Februar 2020, aufgenommen am Strand von Camogli, Ligurien.

Zum Vergrössern einfach auf ein Bild klicken (braucht etwas Zeit zum Laden).

Camogli im Februar 2020

Ein halbes Jahr ist’s schon her seit meinem letzten Beitrag. Eigentlich sollte das anders laufen… Aber irgendwie geht das zurzeit ja den meisten so – dass ein Virus einen Strich durch schöne Pläne und Projekte macht. Im März schon wollte ich eine Ausstellung in meinem Wohnort Weinfelden durchführen. Das klappte dann nicht, weil ich mich mit dem Aussteller nicht auf die Bedingungen einigen konnte. Zum Glück, denn die Ausstellung wäre in den Lockdown geraten. Nun, zwei weitere Projekte für Mai und Juni mussten dann sowieso auf den Spätsommer und Herbst verschoben werden. Sobald diese Termine einigermassen gesichert sind, werde ich hier auf meiner Homepage darauf hinweisen.

Inzwischen habe ich kaum mehr fotografiert. Aber heute habe ich meine Bilder aus Camogli aus dem Archiv geholt und zeige hier einige davon. In der ersten Februarwoche war ich dort. Kühles, aber schönes Wetter, kaum Touristen und das Meer zu fotografieren war durchaus reizvoll. Das Corona-Virus war noch kein Thema, alles schien normal zu sein. Doch bekanntlich war die Seuche längst im Land. Vier Wochen später galt in ganz Italien eine Ausgangssperre, die uns in dieser Härte zum Glück erspart geblieben ist.

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(Nummer 4 und 5: Intentional Camera Movement, 1 und 6: Langzeitbelichtung, 7 – 9: Lochkamera)

 

Seeseelen

Mit Intentional Camera Movement Möwen zum Tanz aufgefordert.

Zum Vergrössern einfach auf ein Bild klicken (braucht etwas Zeit zum Laden).


Seagulls were invited to dance by Intentional Camera Movement.

To enlarge, simply click on a picture (needs some time to load).

Halbzeit

Und schon ist Halbzeitpause bei meiner Ausstellung Reise durch Licht und Schatten in der Galerie am Gleis in Uzwil (SG). Am Donnerstag, 31. Oktober geht’s dann weiter (18.00 bis 20.00 Uhr).

Ich möchte die Gelegenheit nutzen und allen ganz herzlich danken, die bis jetzt schon diese Doppelausstellung (zusammen mit Paul Albisser) besucht haben! Viele durfte ich auch persönlich begrüssen und ihnen meine Werke zeigen.

Allen anderen winkt die Aussicht auf eine zweite Halbzeit.

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Ausstellung in der Galerie am Gleis in Uzwil (SG)

Nebst den grösseren Wandbildern zeige ich auch Kleinbilder mit verschiedenen Sujets, wie diese beiden Acrylblöcke (10x10x2,5 cm). Eignen sich als Souvenir/Mitbringsel, kann man einfach hinstellen, müssen nicht montiert werden.

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Die verbleibenden Öffnungszeiten:

Donnerstag, 31.10. 18 – 20 Uhr
Samstag, 02.11. 10 – 12 und 14 – 17 Uhr
Sonntag, 03.11. 14 – 17 Uhr (Ich bin anwesend)
Donnerstag, 07.11. 18 – 20 Uhr
Samstag, 09.11. 10 – 12 und 14 – 17 Uhr
Sonntag, 10.11. 14 – 16 Uhr (Finnisage/Ich bin anwesend)

Galerie am Gleis
Bahnhofstrasse 77
9240 Uzwil

Ich freue mich sehr über Ihren/Deinen Besuch!

Save the date!

Ich freue mich sehr, jetzt meine neue Ausstellung ankündigen zu dürfen: 

Vom 19. Oktober bis 10. November 2019 findet in der Galerie am Gleis in Uzwil (SG) die Doppelausstellung Reise durch Licht und Schatten statt.

Vernissage, Öffnungs- und Anwesenheitszeiten, Adresse und alles andere Wichtige ist auf der Einladungskarte zu finden (siehe unten die digitale Version):

Über Deinen/Ihren Besuch dieser Ausstellung würde ich mich wirklich sehr freuen!